FAU Bonn übernimmt Vertretung der streikenden Spargelbäuer*innen in Bornheim

Symbolfoto pb

Bornheim – Seit Freitag befinden sich Saisonarbeiter*innen bei Spargel Ritter in Bornheim im Ausstand. Der Hauptgrund ist ein Vertragsbruch des Arbeitgebers, der sich bisher weigert, ausstehende Löhne zu zahlen. Arbeiter*innen haben nun das Allgemeine Syndikat der FAU Bonn beauftragt, ihre Interessen zu vertreten.
Die Lage der Arbeiter*innen ist bedrohlich: Ihnen wurde angekündigt, dass bis Dienstag die Unterkünfte verlassen müssen. Sie haben nicht einmal genug Geld, um in ihre Heimat zurückzukehren. Sie stehen also vor der Obdachlosigkeit.

Neben den fehlenden Löhnen beklagen die Arbeiter*innen verrottetes Essen, mangelhafte Corona Schutzmaßnahmen sowie Überfüllung und fehlendes Warmwasser.

Der Arbeitgeber verstößt nicht nur durch Vorenthaltung des Lohns gegen geltendes Recht: aktuell verweigert der Sicherheitsdienst Gewerkschaftsangehörigen den Zugang zum Betriebsgelände.

Erik Hagedorn, Sprecher der FAU Bonn: „Trotz Corona und Insolvenz hat man diese Menschen aus Rumänien hier her geholt, um Spargel und Erdbeeren zu ernten. Nun prellt man sie um ihren Lohn und droht ihnen mit Obdachlosigkeit. Das ist blanke Menschenverachtung.“

Spargel Ritter ist insolvent. Der Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Dr. Schulte-Beckhausen in Bonn.

Seit einem Monat arbeiten über 250 rumänische Beschäftigte als Erntehelfer*innen auf dem Spargelhof Ritter. Ohne Schutzausrüstung ernten sie hier jeden Tag pro Person circa 30 Kisten Erdbeeren einen Stundenlohn gibt es nicht. Theoretisch sollen etwa drei Euro pro Kiste gezahlt werden. Manchmal sind es noch weniger. Das bedeutet, dass die Arbeiter*innen teils weniger als ein Drittel des gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohns bekommen. Das ist ein Skandal!
Es fehlt an Hygieneartikeln, das vom Lohn abgezogene Essen ist verdorben und die Beschäftigten dürfen das Gelände nicht ohne weiteres selbstständig verlassen.

Während der Arbeit am letzten Donnerstag kam großer Unmut auf, als sich rumsprach, dass einzelne Angestellte etwas mehr Geld bekamen als andere. Daraufhin verließen die Erntehelfer*innen geschlossen das Feld und wollten zum Chef. Dieser aber war für keine Gespräche bereit und ging nicht auf die gerechtfertigten Vorwürfe ein. Am nächsten Tag rief er direkt die Polizei, die zog aber ohne wirklich benötigt zu werden bald vom Wohngelände der Arbeiter*innen ab.

Der zu diesem Zeitpunkt bereits insolvente Spargel- und Erdbeerenproduzent Ritter hatte seinen Erntehelfer*innen drei Monate Arbeit vertraglich zugesichert. Nun sollen sie nach einem Monat bereits auf eigene Kosten nach Rumänien abreisen dabei kostet schon eine Strecke die Hälfte des unvollständig gezahlten Lohns.
Am Dienstag müssen die Erntehelfer*innen ihr Unterkünfte verlassen und müssen zusehen, wo sie bleiben. Die ca. 250 Personen stehen vor der Obdachlosigkeit und stehen kurz davor, ohne das dringend benötigte Geld für sich und ihre Familien heimreisen zu müssen. Aus Protest wurde die Arbeit am Freitag niedergelegt.